Gefühlsfragmente

02.03.2010 - Mit Vorsicht genießend

Gestern abend fühlte es sich plötzlich an, als hätte jemand bei mir den richtigen Schalter umgelegt. Die Lebensenergie konnte wieder fließen – ich war wach. Der kraftlose Grauzustand schien erstmal wieder überwunden zu sein. Und doch fühlte sich alles noch so frisch an, dass ich Angst davor hatte, dieses Lebensgefühl könnte genauso schnell wieder gehen, wie es gekommen war.

Nun hieß es nur keinen Fehler machen. Sich nicht zu überschwenglich von der Kraft mitreißen lassen, weil auch sie zerstörerisch sein kann, wenn sie ausufert. Aber ich konnte nicht anders und musste zumindest ein wenig für mich allein tanzen. Es fühlte sich so gut an und die Musik bewegte mich wie von selbst. Es war wie eine kleine Feier darüber, dass mal wieder ein Tief überstanden zu sein schien.

Als ich später in mein Bett fiel, erwartete mich eine relativ ruhige Nacht mit etlichen Schlafstunden. Die Gefahr scheint gebannt. Jetzt fühle ich mich zwar lebendig, aber noch ein wenig unsicher und dementsprechend wird mein Tag ein sehr vorsichtiger sein.

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01.03.2010 - Entdecke die Möglichkeiten

Heute hätte mein erster Arbeitstag sein sollen. Aber statt der Freude darüber, dass es endlich wieder los geht, habe ich einzig und allein den Eindruck, dass dieses kleine bisschen Stress des guten zuviel sein könnte und mich gänzlich außer Kontrolle geraten lässt.

In meinem Kopf dröhnt es schon, weil mir der Verstand den problematischen Arbeitsmarkt vor Augen hält und mit dem Euro-Zeichen winkt. Auf der anderen Seite steht die Psychiatrie und dahinter lacht sich schon lauernd der Sensenmann leise ins Fäustchen. Ich überlege, wie ich am besten reagieren kann und komme beinahe wie von selbst zu der Lösung.

Weil die positive Denkweise vieles einfacher macht, dachte ich zuerst an

Möglichkeit 1
Der normale Stress eines ersten Arbeitstages macht mir nichts aus. Die Arbeit lenkt mich ab und nach den Unruhen der letzten Zeit kehrt allmählich wieder ein Stück Normalität zurück in meinen Alltag.

Aber ich bin dermaßen ausgelaugt und zerheult, dass ich an Möglichkeit 1 nicht glauben kann. Realistischer erscheint mir

Möglichkeit 2
Der normale Stress eines ersten Arbeitstages addiert sich zu der vorangegangenen beinahe schlaflosen Nacht und den Unruhen der letzten Zeit und bringt mich noch weiter aus dem sowieso schon nicht mehr vorhandenen Gleichgewicht. Die Arbeit kann ich wegen dem Konzentrationsmangel nicht vernünftig erledigen, weshalb ich den Job schnell wieder los bin und recht bald in der Klinik lande. Dort muss ich mich mühsam aufpeppeln lassen.

Das macht mir Angst und erscheint mir so realistisch, dass ich etwas anderes in Betracht ziehe:

Möglichkeit 3
Ich versuche eine Galgenfrist herauszuschinden indem ich zu einer Notlüge greife, die geglaubt wird und mir statt einer Woche und dem befürchteten Verlust des noch nicht angetretenen Jobs einfach eine 14tägige Schonfrist beschert. Außerdem bemühe ich mich um einen Notfall-Termin bei meiner Therapeutin oder meiner Psychiaterin, damit mein Gesundheitszustand von professioneller Seite untersucht wird.

Eine Entwicklung, die ich kaum glauben kann und die mir einen riesengroßen Klotz von den Schultern nimmt. Die Arbeit fange ich einfach zwei Wochen später an, aber das mit dem Notfall-Termin wurde leider nichts, weshalb letztlich folgendes zum tragen kommt:

Möglichkeit 4
Die 14tägige Schonfrist nutze ich, indem ich versuche mich selbst wieder auf die Beine zu bringen und den regulären Termin in 9 Tagen bei meiner Therapeutin wahrnehme, weil ich sonst weder bei ihr noch bei meiner Psychiaterin in Kürze einen außer der Reihe bekommen kann. Ich werde mir Ruhe gönnen, viel gute Musik, werde Ytong zu feinem Schleifstaub verwandeln, die kleine weiße Fell-Prinzessin zerschmusen (sofern sie mich lässt) und mir auch sonst viel Gutes gönnen.

Außerdem bin ich unendlich dankbar dafür, dass sich hier eine Lösung entwickelt hat, von der ich glaube, dass sie funktionieren wird.

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26.02.2010 - Gefangen in der Zwischenzeit

Mein Augenlid flattert.
Mir ist schlecht.
Ich habe keine Kraft mehr.

Der Stress der letzten Zeit hat meinen Gedankenkreisel in Gang gesetzt. Er dreht sich wieder und bereitet ohne mein dazutun vor. Gibt Möglichkeiten für das ‘Wie?’ vor und schreibt insgeheim Nachrichten an mein Töchterchen. Will das kleine weiße Fellmädchen gut versorgt wissen. Denkt darüber nach, wer was bekommen soll, wenn ich nicht mehr bin. Führt mir vor Augen, welche Vorteile mein Ableben für alle Hinterbliebenen hätte.

Ich weiss nur, dass längst mal wieder die Zeit für die Musik gekommen ist, die mich schon so oft aus dem Tief wieder herausgeholt hat. Und ich weiss, dass mir das Schleifen des weichen Ytong-Steins helfen kann. Wie gestern schon. Wie bereits mehrfach in dieser Woche.

Aber wie lange wird das noch funktionieren?

Stunden später organisiert sich relativ spontan unser kleiner Stammtisch und die Zeit des Treffens rückt schnell heran. Ich kämpfe mit mir, weil ich mich eigentlich niemandem zumuten will und meine Kraftreserven eher im Minus-Bereich liegen. Ich kämpfe gegen den Gedankenkreisel und fahre trotzdem hin, weil ich weiss, dass die Krankheit gerade mein Denken bestimmt und mir das ausreden will, was mir helfen und gut tun könnte.

Und es tut gut. Zur Begrüßung innige Umarmungen und echte Wiedersehensfreude. Es folgt eine kurze ernste Bestandsaufnahme der jeweiligen Gesundheitszustände mit gemeinsamen Überlegungen, Tipps oder einfach nur Zuhören. Als das Wichtigste besprochen ist, frönen wir den leiblichen Genüssen in unserem bevorzugten Fast-Food-Tempel und verstricken uns in Albernheiten, die uns schließlich vor Lachen weinen lassen.
Geht doch.

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06.02.2010 - Kleiner Aufwand, große Wirkung

Seit dem 8. Januar führe ich ein Stimmungstagebuch in Form einer Tabelle, ähnlich der, wie ich sie im Buch "Manisch-depressiv für Dummies" gesehen habe. Dort trage ich für jeden Tag meine geschlafenen Stunden ein und bewerte meine jeweilige Stimmung innerhalb der Kategorien:

- Himmelhoch jauchzend
- Aufgedreht
- Energiegeladen
- In Ordnung
- Lausig
- Düster
- Zutode betrübt

In Ordnung stellt die absolute Mitte dar und bezeichnet einen Tag, der weder Fleisch noch Fisch ist. Undefinierbar, ob der Himmel noch blau oder doch schon grau ist. Einer der Tage, von dem nur ein flauer Nachgeschmack übrig bleibt und der vergessen ist, kaum dass er vorbei ist.

Wunderbar sind die Tage zwischen In Ordnung und Energiegeladen. Das ist eine Mitte, wie ich sie mag. Ich fühle mich lebendig und doch ausgeglichen. Die Dinge gehen mir leicht von der Hand. Das Leben fühlt sich gut an.

Energiegeladen geht einen Schritt weiter. Das Leben fühlt sich zwar gut an, aber da ist eine Kraft, die mich umhertreibt. Ich schaffe viel und bin gut gelaunt, doch gleichzeitig spüre ich eine leichte innere Unruhe, die mir nicht so recht Pausen gönnen will. Ein Problem ist das allerdings noch nicht, weil ich sie mir trotzdem nehmen kann, wenn ich will.

Anders sieht das aus, wenn meine Stimmung zwischen Energiegeladen und Aufgedreht ist. Ich bin unruhig, unkonzentriert und stehe unter Strom. Irgendwann ertappe ich mich dabei, wie ich mehr oder weniger sinnlos und leicht gestresst umherlaufe und mich schließlich frage, was ich da eigentlich gerade mache. Ich habe nicht den Eindruck etwas zu schaffen, sondern vielmehr den, dass ich mit meiner Energie, die nichtmal meine zu sein scheint, nicht sinnvoll umzugehen weiss.

Von Hü nach Hott oder von Höcksken auf Stöcksken, wie man bei uns auch gern sagt, beschreibt den Zustand, wenn ich Aufgedreht bin. Ich fange spontan vieles an, aber nicht willentlich. Die Dinge, die scheinbar endlich erledigt werden wollen, begegnen mir während ich wiederum eine andere Sache machen wollte, die dann erstmal warten muss. Am Ende stehe ich vor mehreren angefangenen Baustellen. Das merke ich aber erstmal nicht, weil ich vor Ideen förmlich übersprudele und bemüht bin alles umzusetzen, was mir in den Sinn kommt. Für Pausen habe ich bei diesem enormen Energieüberschuss keine Zeit, sondern nutze diese bestenfalls noch für etwas Sport oder überhaupt jede Art von Aktivität, die sich mir bietet. In diesem Zustand könnte ich die ganze Welt umarmen und würde es auch tun, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte.

Himmelhoch jauchzend soll den Höhepunkt des manischen Zustands darstellen und zumindest für mich war er alles andere als das. In diesem Zustand habe ich mich selbst beobachten können und seltsame paranoide Theorien weiterentwickelt. Die Wirklichkeit ist verzerrt. Die Spontanität treibt seltsame Blüten. Ohne Rücksicht auf Verluste setze ich um, was mir in den Sinn kommt. Es gibt nur noch schwarz oder weiß, bis alles nur noch schwarz ist. Die Gedanken kreisen und überschlagen sich, bis sie sich zum Ziel der Selbstzerstörung vereinen und festsetzen.

Fast ein Geschenk ist dagegen der Zustand zwischen In Ordnung und lausig. Alles könnte ein wenig besser sein, als es derzeit ist, meint das an mir nagende Selbstmitleid. Das Leben ist ein wenig grau, aber ansonsten geht's mir gut.

Lausig fühle ich mich, wenn das ganze ein wenig weiter geht und eine leichte Müdigkeit hinzukommt. Ich habe keine Lust zu irgendwas, aber wenn es unbedingt sein muss, dann bin ich eben dabei und bin genauso froh, wenn's dann vorbei ist und ich mich endlich wieder ausruhen kann. Die Welt um mich herum beginnt gelegentlich bedrohlich zu wirken.

Zwischen Lausig und Düster zu sein, kostet Kraft. Das ist der Zustand, in dem mir mein inneres Lächeln abhanden kommt. Als wenn mir etwas die Energie aus dem Körper und die Farbe aus dem Leben gesaugt hätte. Ich bin nicht einfach nur kraftlos, sondern fühle mich regelrecht ausgelaugt. Übrig ist eine labberige Hülle, die auch kaum noch sprechen mag und kann. Die Gedanken sind so frei, dass sie weg sind und der Kopf schmerzlich leer ist. Meine Umwelt wirkt bedrohlich.

Düster geht noch einen Schritt weiter. Ich bin in dem kraftlosen Zustand gefangen und für mich gibt es auch keine Hoffnung mehr. Rückblickend ist alles nur negativ gewesen und positive Zukunftsperspektiven gibt es scheinbar nicht. Die Überzeugung, dass die Welt ohne mich besser zurecht kommt, wird stärker und ist so ziemlich der einzige Gedanke, auf den sich vor lauter Kraftlosigkeit noch alles konzentrieren kann. Die Welt ist gegen mich.

Zutode betrübt hat sich der Gedanke an Befreiung von dem kraft- und wertlosen Leben festgesetzt und will um jeden Preis umgesetzt werden. Ein Zustand, der bei mir wohl nahtlos in Himmelhoch jauchzend endete.

Im Falle eines Falles werde ich wohl kaum in der Lage sein, einen Eintrag bei Himmelhoch jauchzend oder zutode betrübt vorzunehmen. Aber das ist ja auch nicht Sinn und Zweck des ganzen, sondern eher zu erkennen und rechtzeitig etwas unternehmen zu können.

Weil es mir so vorkam als hätte ich in letzer Zeit viel häufiger als früher Kopfschmerzen, habe ich das außerdem in der Tabelle eingetragen und weiß nun, dass dem nicht so ist.

Bei einem Tag hatte ich Probleme die Bewertung vorzunehmen. Ich habe mich irgendwann mal wieder dabei ertappt, wie es mich in bester Laune aber ohne Sinn und Verstand umhertrieb und fiel noch am gleichen Tag in einen Zustand, der kurz vor Düster endete und mich ausgebrannt zurück liess. Glücklicherweise lässt sich das ganze aber in Zusammenhang mit den Kopfschmerzen sehen, die ich an diesem Tag hatte.

Nachdem ich dieses Stimmungstagebuch nun seit fast einem Monat führe, merke ich, wie wertvoll es eigentlich ist. Die gemachten Einträge habe ich verbunden und sehe auf einen Blick, dass ich im guten mittleren Bereich unterwegs bin. Kleine Holprigkeiten habe ich sofort ausgleichen können. Das gibt ein wenig Sicherheit und zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

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31.01.2010 - Gegenwärtige Zukunft

Überall nur Nebel und unbekannte Größen. Wenn ich möchte, dass es eine Zeit nach der Gegenwart gibt, muss ich diese zunächst einmal leben und hinnehmen, dass über meiner Zukunft immer noch bedrohlich die große Frage steht: Wie werde ich leben?

Ein Ziel muss gegenwärtig sein, Stabilität und zunehmende Sicherheit zu erlangen. Eine Gewissheit, sie gefunden zu haben, habe ich nicht, auch wenn ich mich immer besser kennenlerne und meine, inzwischen eine Art Gebrauchsanweisung für mich und meine Krankheit gefunden zu haben.

Immerhin fühlt sich das Wie? machbar an, ruft aber auch gleich das Wovon? ins Gedächtnis und führt viele weitere Fragen mit sich.

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31.12.2009 - Bipolarer Jahresrückblick

Silvester - Zeit für einen Jahresrückblick.

Gleich zu Beginn des Jahres 2009 habe ich meinen Job verloren und schon kurze Zeit später den mir liebsten Menschen in einem Zustand erlebt, in dem ich nicht helfen konnte, so gerne ich es gewollt hätte. Ich kam an einen Punkt, an dem ich nicht mehr in der Lage war gegen meine Stimmung anzusteuern. Glücklicherweise konnten mich Freunde, ambulante Hilfe und wirksame Tabletten auffangen, so dass ich später miterleben durfte, wie sich dieser geliebte Mensch langsam aber sicher wieder aufrappelte und inzwischen ziemlich stabil zu sein scheint.

Eine erhöhte Tablettendosis hat mich in diesem Jahr 15 Kilo zunehmen lassen. Die Senkung der Dosis hat zwar meine Sättigungsgrenze zurückgebracht, aber dennoch wollten die Pfunde nicht mehr purzeln. Daran konnte bisher auch der Reha-Sport nichts ändern, der mich ganz nebenbei auch zum Nordic Walking gebracht hat. Nach dem Nordic Walking Kurs hat sich auf freiwilliger Basis ein geselliges Grüppchen Weitermacher gebildet, das sich ein Mal in der Woche trifft und zu dem auch ich gehöre.

Ich habe für zwei Arbeitgeber in zwei Firmen an vier unterschiedlichen Projekten in diesem Jahr gearbeitet. Jedes Mal hieß das Arbeit unter Zeitdruck, die ein Höchstmaß an Flexibilität abverlangte und keine Sicherheit außer der bedeutete, dass es sein konnte, schon am kommenden Tag arbeitslos zu sein. Obwohl mir meine Therapeutin davon abgeraten hat, habe ich das Ding mit Spätschicht doch gemacht und tatsächlich so eben hinbekommen, weil ich meine Mindeststunden an Schlaf strikt eingehalten habe und meist schon beim kleinsten Anzeichen einer Stimmungsschwankung reagiert habe. Vielleicht hat es aber auch geholfen, dass jedes Projekt kaum mehr als zwei Monate gedauert hat, wodurch ich indirekt jedes Mal eine Zwangspause von der Arbeit erhielt, die mich zugegebenermaßen ziemlich ausgelaugt hat.

Bei jedem Tätigkeits- oder Projektwechsel konnte ich meine Flexibilität unter Beweis stellen. Ich war dabei vielleicht nicht der strahlendste Stern am Arbeitshimmel, aber lag mit meiner Leistung sicherlich im guten Mittelfeld. Ganz nebenbei habe ich noch eine Menge netter und manchmal auch nicht so netter Menschen kennengelernt. Dabei war ich auch einer gelegentlichen Konfrontation nicht immer abgeneigt, was sich jedoch in allen Fällen als positiv herausgestellt hat, weil ich Unterstützung bekam oder zumindest Sympathie erhielt.

Weil ich glaube, dass ich im Grunde meines Herzens doch ein geselliger Mensch bin, habe ich mich bei einer Single-Börse angemeldet und mich im Laufe des Jahres mit vier netten Herren getroffen. Mein Herzbube wurde keiner von ihnen, aber es war nett, diese interessanten Menschen bei einem persönlichen Gespräch kennengelernt zu haben.

Durch den Umgang mit anderen Menschen und die Selbstbeobachtung habe ich mich selbst besser kennengelernt. Ich muss nicht jeden mögen und nicht jeder muss mich mögen. Außerdem gestehe ich mir inzwischen zu, nicht alles schaffen zu müssen und nehme mir eine Auszeit, wenn sie vonnöten ist. Weil ich öfter Dinge mache, die mir besonders gut tun, ist meine Lebensqualität erheblich besser geworden. Dennoch ist die bipolare Achterbahn oft sehr anstrengend und aufreibend – auch ohne größere Loopings.

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16.11.2009 - Rescue Random-Play

Heute artete mein Tag zu einem inneren Kampf zwischen meiner dunklen und hellen Seite aus. Alles um mich herum wurde allmählich immer finsterer und bedrohlicher. Meine helle Seite brachte mich dann immer wieder zu hilfreichen Dingen wie den Realitätsabgleich zurück und lieferte Erfahrungswerte vergangener ähnlicher Situationen, die keinesfalls so finster waren, wie es mir heute scheinen sollte. Zusätzlich Konzentrationsstörungen und das Abtauchen in die Leere. Dann wieder merken, etwas unbewusst getan zu haben, weil die Erinnerung an die nachweislich durchgeführte Handlung fehlt. Profane Dinge, aber es ängstigt mich.

Als ich endlich zuhause bin, schreit in mir nur noch alles nach Hilfe. Meine Gedanken überschlagen sich. Ich weiß nicht, wie lange ich noch dagegen ankämpfen kann. Wie lange kann ich das noch aushalten? Ich versuche mich daran zu erinnern, was ich im Notfall tun kann um mich aus der Gedankenspirale herauszudrehen.

Mir fällt als erstes greifbares Mittel eine CD ein, der ich den Namen RESCUE gegeben habe. Ursprünglich eine Audio-CD mit etwa 70 Minuten Notfall-Musik. Die Lieder haben längst auch den Weg auf PC und MP3-Stick gefunden, dienen aber keinesfalls als Hörgenuss für Zwischendurch, sondern sind als Zusammenstellung nur für Momente wie diesen gedacht.

Ich zünde eine Kerze an und ziehe mich bewusst mit der Musik auf mein Sofa zurück. Nur zuhören. Die Beine hochlegen und sich in die Musik fallen lassen. Endlich kuschelt sich auch meine Rescue-Katze bei mir an und schnurrt wunderbar. Wir fühlen uns wohl und ich werde allmählich immer ruhiger während ich diese unglaublich geile Musik in meinem Ohr genieße.

Four Tet – Unspoken
Four Tet – You Could Ruin My Day
Mogwai – Friend Of The Night
Mogwai – Ratts Of The Capital
Nine Inch Nails – Just Like You Imagined
Oceansize – An Old Friend Of The Christies
Oceansize – The Charm Offensive
Radiohead – Electioneering
Riverside – Loose Heart
Schandmaul – Dudelzack
Schandmaul – Sturmnacht
Shock Therapy – Pain
Subway To Sally – Jericho
Tool – 10,000 Days (Wings Pt 2)

Heute hat meine Rescue-CD, bzw. haben die Notfall-Lieder mal wieder ganze Arbeit geleistet.

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28.09.2009 - Trübe Stimmung

Ich wusste, dass ich ein wenig aus dem Gleichgewicht war. Aber ich fand, dass es nur ein klitzekleines Bisschen war. Jedenfalls nicht genug um gegensteuern zu müssen. Heute morgen war es dann mal wieder so weit. Sieht so aus, als hätte der dichte Nebel mein inneres Lächeln verschluckt. Ich hoffe, dass er es bald wieder ausspuckt.

29.09.2009 - Gedämpfte Stimmung
Ganz allmählich und sehr vorsichtig ist heute mein inneres Lächeln zurückgekommen. Gestern war nicht nur meine Stimmung trüb, sondern vor allem meine Wahrnehmung. Was gestern noch bedrohlich schien, ist heute freundlich und wohlgesonnen. Erschreckend, wie die Innenwelt die Außenwelt aussehen lassen kann.

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27.07.2009 - Ein Mischzustand

Ich bin nicht dies oder das, sondern und.

Es fühlt sich an, als würde ich auf einem Pulverfass sitzen, das jeden Moment hochgehen kann. Eine unbekannte Kraft treibt mich an. Die innere Unruhe ist riesengroß. Ohne Sinn und Verstand laufe ich in der Wohnung umher. Ich fange irgendwelche Dinge an und vergesse sie zu vollenden, weil mir im nächsten Augenblick schon etwas anderes wichtiger erscheint. Ich presche los und stoppe, weil mir plötzlich bewusst wird, was da vor sich geht und versuche gegenzusteuern.

Weil ich außerdem so entsetzlich müde und traurig bin, dass ich kaum noch Kraft habe lege ich mich aufs Bett. Meine Gedankenmaschine verselbständigt sich und doch ist mein Kopf leer. Wie gerne würde ich diesem Zustand entfliehen und einfach nur schlafen, aber ich kann nicht. Die Müdigkeit ist scheinbar genauso unecht, wie die Erschöpfung, die ich spüre. Dafür ist die innere Unruhe doppelt groß und ich fühle mich, als wenn es mich jeden Moment zerreißen könnte.

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25.07.2009 - Positiver Stress

In den letzten Tagen habe ich mit jemandem nett gechattet, der auch nett simst und überhaupt insgesamt einen recht sympathischen Eindruck macht.

Warum mischt sich bereits jetzt die Vergangenheit ein und zeichnet Entwürfe für die Zukunft, wogegen ich mich kraftraubend wehren muss, wenn ich eine Gegenwart will?

Und warum habe ich in dieser Nacht so unruhig geschlafen und war zu einer Uhrzeit hellwach, die nach meinen bisherigen Erfahrungen als erstes Alarmsignal zu deuten ist?

Und warum fühlt es sich an, als würde brodelnd heißes Blut unter meiner Haut fließen?

Ich kenne die Antworten und hoffe mit diesem Wissen mindestens eine reele Chance zu haben.

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07.07.2009 - Leben wie Blei

Eine schwerfälligmachende Wärme durchströmt meinen gesamten Körper und lässt mich in einer traurigen Müdigkeit so weit erstarren, dass schließlich beinahe jede Bewegung nur noch bewusst willentlich gesteuert werden kann. Konzentrieren kann ich mich kaum und das Sprechen fällt mir schwer. Könnte ich mich hinlegen würde ich mit der Unterlage verschmelzen und mich ganz von ihr aufnehmen lassen. Mit geschlossenen Augen fände ich endlich die ersehnte Entspannung und könnte in die tonnenschwere Leichtigkeit meiner Innenwelt entfliehen.

Inmitten dieser trostlosen Müdigkeit schlägt ein Gedankenblitz ein: „STOP! Ich kann und darf mich nicht in diesen Zustand verlieren!“

Ich versuche mich aus dem Gefühl herauszudenken. Schwerfällig begebe ich mich auf die gedankliche Suche nach den Gründen. Die Antworten sind schnell gefunden und ich weiß, warum ich mich heute so fühle, wie ich mich fühle. Ich weiß aber auch, dass ich jetzt besonders um Ruhe und Ausgeglichenheit bemüht sein muss, mir etwas Gutes tun muss, damit ich mich in Kürze wieder lebendig fühlen kann. Gesteigerte Aktivität gepaart mit Agressionen kostet jeden Menschen Kraft, mich kostet es zusätzlich mein inneres Lächeln.

08.07.2009 - Wiederbelebung
Plötzlich ist die Gewissheit da, dass es erstmal wieder überstanden ist. Verstand und Körper sind mit einem Mal hellwach. Es ist angenehm zu spüren, wie mein inneres Lächeln zurückkehrt und den Körper allmählich ausfüllt, um mich strahlen zu lassen. Ich lebe wieder.

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17.04.2009 - Ausgleichsgewicht

Der Rezeptoren-Blocker reduziert unter anderem meinen Stress und somit meinen Grundumsatz bei steigendem Appetit, was mich derzeit wiederum ungemein stresst. Immerhin achte ich auf regelmäßige Pausen zwischen den Essenszeiten und ausreichende Wachphasen zwischen den Schlaf- und Ruhezeiten.

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02.04.2009 - Risiken der Nebenwirkung

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, rhythmische Bewegungen des Gesichts (sind mit meinem Augenlidflattern eigentlich „tardive Dyskinesien“ gemeint? – egal) und Sehstörungen hatte ich ja vorher auch immer mal wieder.

Neu und somit eindeutig dem zuletzt verordneten Medikament zuzuschreiben ist die Milchabsonderung aus der Brustdrüse, meine Gewichtszunahme und die Wassereinlagerungen im Körper.

Als Nebenwirkung geht’s mir gut ;-)

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27.03.2009 - Ping Pong

Vor etwa 10 Jahren hat ein aufreibendes Spiel begonnen, bei dem vorgegeben ist, dass einem Ping zwingend das Pong folgen muss, um zurück zum Ping zu gelangen. Der Höhepunkt dieses Spiels mündete vor knapp einem Jahr in einer absoluten Verschlimmbesserung.

Endlich heraus aus dem Dunkel mit dem ganzen Dilemma.
Endlich die Diagnose einer Krankheit, auf die reagiert werden kann, statt ihr nur ausgeliefert zu sein.
Endlich wird das überglückliche Unglück begreifbar.
Endlich erscheint dank der Medikamente die so ersehnte Mitte.
Endlich ein Lebensgefühl, mit dem ein halbwegs normales Leben möglich scheint.

Wann habe ich mich zuletzt so gefühlt?
Habe ich mich schonmal so gefühlt?

Doch schon leichter und erst recht massiver Stress lässt erneut ein Ping erklingen, weil Medikamente nur für einen oberflächlichen Widerstand sorgen. Folgt gleich noch ein Pong hinterher ist die Mitte wieder futsch. Ständige Eigenbeobachtung soll Abhilfe schaffen. Das Ziel ist es, rechtzeitig gegenzusteuern, damit das innere Lächeln nicht wieder abhanden kommt oder die eigene Kraft sich selbst verschlingt.

Die Folge ist die ständig greifbare Angst vor den Spitzen des alten Spiels, die bereits teuer bezahlt werden mussten. Schon was dem Ping ähnlich scheint, wird mit Argusaugen beobachtet und sicherheitshalber isoliert, damit dadurch kein Pong heraufbeschwört werden kann. Das Wissen darum, dass ein Ping auch völlig normal sein und Freude machen kann scheint ebenso verloren wie das Wissen darum, dass jeder mal ein Pong haben kann.

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