Bipolare Bücher

Es gibt viele interessante und auch gute Bücher zum Thema. Gut war ein Buch für mich immer dann, wenn ich aus ihm etwas Neues erfahren konnte. Das Buch, von dem ich mir wünsche, dass es mir als erstes in die Hände gefallen wäre, ist "Manisch-depressiv für DUMMIES" (Candida Fink/Joe Kraynak). Aber eigentlich soll es an dieser Stelle nicht um die Empfehlung von Büchern gehen, sondern vielmehr um die darin gefundenen Fragmente zum Thema.

"...Die schöpferische Phantasie in ihren Romanen, ihre Fähigkeit, in einer Unterhaltung 'abzuheben', und die redseligen Halluzinationen ihrer Zusammenbrüche kamen alle aus der selben Ecke ihres Geistes – sie 'stolperte hinter ihrer eigenen Stimme her' und folgte 'den Stimmen, die vorausfliegen'. Und das war an sich die Crux ihres Lebens, die Tragödie des Genies..."
(Leonhard Woolf - Mein Leben mit Virginia)

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"...Ich bin in der Musik. Ich werde immer in der Musik sein. Ich atme Musik und scheiße Musik. Ich denke an nichts anderes als an Musik. Die Musik hat mich in die Zange genommen und will mich nicht mehr loslassen. Die Musik hat mir ein anderes Leben versprochen und das will ich nicht verpassen. Die Musik ist wie ein Fesselballon, der mich über eine Landschaft treiben lässt, die in allen möglichen Farben leuchtet. Die Musik ist wie Sex. Sie bringt die Mauern zum Einsturz und schießt die Seele ins All..."
(Arne Petersen - Affenstall auf Station)

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"...Der psychotische Mensch ist in eine Parallelwelt eingetreten, die nach eigenen Gesetzen funktioniert und sich durch eine Art innerer Logik selbst bestätigt. Da gibt es kein Entkommen, selbst dann nicht, wenn der Verstand in formaler Hinsicht immer noch gut funktioniert..."
(Marco Ciaferri - Der unaufhaltsame Fall des Dr. Spacecake)

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"...In der Manie meinen die Patienten, über ein extrem gutes Gedächtnis zu verfügen, sich besonders gut konzentrieren und außerordentlich rasch und genau denken zu können. Zu Beginn einer Phase kann das auch tatsächlich der Fall sein. In aller Regel überschätzen sich die Patienten jedoch. Besonders die Konzentrationsfähigkeit ist praktisch immer beeinträchtigt: Aufgaben, die Anforderungen an die Konzentration stellen, werden zwar sehr rasch, jedoch mit vielen Fehlern erledigt. Das Lesen und Fernsehen fällt den Patienten in der manischen Phase ähnlich schwer wie in der depressiven Phase, aber die Patienten leiden nicht darunter. Das Denken ist in charakteristischer Weise gestört. Die Patienten haben ständig neue Einfälle, können aber diese Einfälle nicht mehr richtig ordnen. Sie kommen so vom Hundertsten ins Tausendste, denken und sprechen einen Satz nicht zu Ende, fangen den nächsten an und geraten ständig auf gedankliche Abwege. Das Denken ist nicht auf ein bestimmtes Ziel hin ausgerichtet. Es wird immer abgelenkt..."
(Valerie Rupprecht - SeelenGezeiten)

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"...Diese Menschen haben alle zwei Seelen, zwei Wesen in sich, in ihnen ist Göttliches und Teuflisches, ist mütterliches und väterliches Blut, ist Glücksfähigkeit und Leidensfähigkeit ebenso feindlich und verworren neben- und ineinander vorhanden, wie Wolf und Mensch in Harry es waren. Und diese Menschen, deren Leben ein sehr unruhiges ist, erleben zuweilen in ihren seltenen Glücksaugenblicken so Starkes und unnennbar Schönes, der Schaum des Augenblicksglückes spritzt zuweilen so hoch und blendend über das Meer des Leides hinaus, dass dies kurze aufleuchtende Glück ausstrahlend auch andere berührt und bezaubert. So entstehen, als kostbarer flüchtiger Glücksschaum über dem Meer des Leides, alle jene Kunstwerke, in welchen ein einzelner leidender Mensch sich für eine Stunde so hoch über sein eigenes Schicksal erhob, dass sein Glück wie ein Stern strahlt und allen denen, die es sehen, wie etwas Ewiges und wie ihr eigener Glückstraum erscheint.

Alle diese Menschen, mögen ihre Taten und Werke heißen wie sie wollen, haben eigentlich überhaupt kein Leben, das heißt, ihr Leben ist kein Sein, hat keine Gestalt, sie sind nicht Helden oder Künstler oder Denker in der Art, wie andere Richter, Ärzte, Schuhmacher oder Lehrer sind, sondern ihr Leben ist eine ewige, leidvolle Bewegung und Brandung, ist unglücklich und schmerzvoll zerrissen und ist schauerlich und sinnlos, sobald man den Sinn nicht in ebenjenen seltenen Erlebnissen, Taten, Gedanken und Werken zu sehen bereit ist, die über dem Chaos eines solchen Lebens aufstrahlen..."
(Hermann Hesse - Der Steppenwolf)

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"...Manische Patienten legen selten den Zustand von 'Freude, Jubel oder Triumph', den Freud beschrieb an den Tag. Zudem sind sie meistens reizbar, agressiv und zerstreut. Obwohl leichte Zustände sogenannter Hypomanie nicht unangenehm sind und mit Ideenreichtum und gesteigerter Kreativität verknüpft sein können, sind die manischen Patienten eher überreizt als glücklich und beschreiben im nachhinein ihre Erfahrung eher als störend denn als freudig..."
(Anthony Storr - Freud)

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"...Ich fühlte mich emotional im Minusbereich. Monatelang war ich auf dem Höhenflug gewesen, jetzt befand ich mich ganz tief unten im Keller. Mir fehlte die Energie. Ich war kraftlos, schlapp und chronisch müde. Jeder einzelne Knochen schmerzte. Die simpelsten Dinge waren für mich mit einem Kraftakt verbunden. Halbherzig bewarb ich mich auf Stellenanzeigen. Nicht eine einzige Einladung zum Vorstellungsgespräch kam dabei heraus. Meist saß ich zusammengekauert im Sessel, starrte Löcher in die Luft und hing trüben Gedanken nach..."
(Martina Ouillon - Das Glück, der Wahn und ich)

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"...Manie hat damit zu tun, dass man sich verzweifelt bemüht, auf einer leidenschaftlichen Ebene zu leben, sich beim Essen eine zweite und dritte Portion zu genehmigen, dazu Alkohol, Drogen, Sex und Geld, mit dem Versuch, ein ganzes Leben an einem einzigen Tag zu leben..."
(Pascal Sienaert/Els Dahl - Extreme Gefühle)

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